Das Feuer und die Leidenschaft am Lodern halten

Ein Interview mit Andreas Herrmann, Mitarbeiter in der Pastoralpsychologie im ebz

Die Anforderungen im kirchlichen Arbeitsbereich werden zunehmend komplexer. Moderne Pfarrerinnen und Pfarrer verstehen sich als „Multimanager”. Erschöpfungs- und Überlastungserscheinungen bleiben dabei nicht aus. Andreas Herrmann, Mitarbeiter der pastoralpsychologischen Abteilung im ebz, begleitet und berät kirchliche Mitarbeitende in beruflichen und privaten Krisen.

Die Pastoralpsychologie bietet Unterstützung und Hilfestellung für kirchlich Mitarbeitende. Wer genau kommt zu Ihnen?
An uns wenden sich Hauptamtliche, also Pfarrerinnen und Pfarrer, Religionslehrkräfte, Diakone und theologisch-pädagogische Mitarbeitende. Aber auch Leute, die ehrenamtlich in der Kirche mitarbeiten, nehmen unser Angebot wahr. Die Pastoralpsychologie im ebz ist ein Ort, an dem „Lastenträger” aus dem Raum der Kirche durch fachkundige Beratung entlastet werden und neue Kraft schöpfen können.

Ihr Angebot ist sehr breit gefächert. Worum geht es beispielsweise in der Supervision?
Kirchlich Mitarbeitende kommen zu uns in die Supervision, um ihre berufliche Situation zu reflektieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund, Handlungsoptionen zu erweitern, mit den gestellten Aufgaben besser umzugehen und die eigenen Ressourcen deutlicher wahrzunehmen.
Die Angebote der Supervision unterscheiden sich in ihrer Gruppengröße. Die Einzelsupervision bietet dem Ratsuchenden, dem Supervisanden, größtmöglichen Schutz. Er kann den ganzen Raum ausfüllen mit den Themen, die ihm am Herzen liegen.
In der Gruppensupervision treffen Menschen mit ganz unterschiedlichen Arbeitssituationen, Erfahrungen und Erwartungen zusammen. Dies bereichert das eigene Lernen und fördert neue Blickwinkel auf Gewohntes.
Bei der Teamsupervision geht es um ein bestehendes Team, das in der Kirche zusammenarbeitet. Mit unserer Hilfestellung verbessert sich die Zusammenarbeit, und Konflikte wie Schwierigkeiten mit Vorgesetzten oder Mobbing lösen sich.

Was ist der Unterschied zwischen Supervision und allgemeiner Beratung?
Im Unterschied zur Supervision geht es in der Beratung um Probleme im persönlichen Bereich. Das kann ein Lebensereignis wie Ehekrise, Trennung oder Tod sein. Oft geht es aber auch um das kritische Hinterfragen, was man im Leben eigentlich erreichen möchte. Themen wie Berufswahl und Neuorientierung werden hierbei angesprochen.

Das dritte Angebot ist die Fortbildung. Geht es hierbei hauptsächlich um seelsorgerliche Themen?
Die Angebote zur Vertiefung der seelsorgerlichen Kompetenz sind zwar bei uns in der Fortbildung am häufigsten gefragt. Aber auch andere Themen kommen vor, die kirchlich Mitarbeitenden besonders unter den Nägeln brennen. Dazu gehören Burnout, Umgang mit Belastungen und Fragen, wie Feuer und Leidenschaft für den eigenen Beruf am Lodern gehalten werden können.

Neu in Ihrem Angebot ist die Geistliche Begleitung. Was ist das genau?
Hier bieten wir Begleitung für Menschen, die sich mit ihrer Spiritualität, mit ihrem Glauben an Gott in einer Sackgasse befinden oder sich weiterentwickeln wollen. Auch professionelle Mitarbeitende in der Kirche sehnen sich nach einer intensiveren Beziehung zu Gott oder suchen nach Wegen, im Alltag achtsamer auf die Stimme Gottes zu hören und sie für das eigene Leben zu deuten. Geistliche Begleitung unterstützt dieses Suchen und Sehen.

Mit welchen Methoden arbeiten Sie?
Gerade Menschen im kirchlichen Bereich sind Menschen des Wortes, die gewohnt sind, viel zu reden, aber auch gut um sich selbst herumreden können. Rollenspiele und Aufstellungen sind kreative Methoden, um andere Zugänge zu den eigentlichen Anliegen zu finden. Was ich vielfach mit Worten ausgedrückt habe, fühlt sich auf einmal ganz anders an, wenn ich es in einem Bild darstelle.

Herr Herrmann, Sie geben anderen Rat und Hilfe. Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Natürlich müssen wir als Mitarbeiter dafür sorgen, dass wir die Menschen gut begleiten und nicht selbst „am Stock gehen”. Es ist immens wichtig, dass wir für uns selbst, für unsere eigene Seele, sorgen. Dabei spielt natürlich auch mein Glaube eine wichtige Rolle. Für uns ist es normal, in die Supervision zu gehen. Meine eigene Psychohygiene ist meine Arbeit in der Schule. Die Arbeit mit Kindern ist für mich ein wunderbarer Ausgleich.

Ein Interview von Tanja Thurner und Jutta Pillai