Geschichte des ebz

Am Anfang war Erziehungsberatung

Die Anfänge des ebz gehen zurück auf das Jahr 1948: Im Dekanat wird eine Erziehungsberatung (EB) mit ehrenamtlichen Beratenden eingerichtet. 1958 erfolgt die Überleitung in die Trägerschaft der Inneren Mission. Erziehungsberatung wird nun in einer professionellen psychologischen Beratungsstelle unter Leitung von Prof. Dr. Marianne Hege angeboten. Die Erziehungsberatung arbeitet eng mit mehreren Kinderheimen und heilpädagogischen Einrichtungen zusammen. Der Bedarf steigt, jedes Jahr kann eine neue Beraterstelle geschaffen werden.

Ausweitung und Professionalisierung

Mit der Zeit kann der Beratungsbedarf nicht mehr abgedeckt werden. 1963 beauftragt das Dekanat München den evangelischen Frauenbund mit einer zunächst ehrenamtlichen Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL). Hier sind „christlich engagierte ältere Damen ohne spezifische Ausbildung, aber mit viel Lebenserfahrung” tätig (H.F. Latka, in: 25 Jahre Ehe- und Lebensberatung. Eine Chronik.1989). Wie sich zeigt, ist die Nachfrage sehr hoch.
Die Bereiche Ehe-, Familien- und Lebensberatung und die Erziehungsberatung werden 1965 zusammengeführt zur Evangelischen Ehe-, Erziehungs-, Familien- und Lebensberatung (EEEFB). Pfarrer und Psychoanalytiker Dr. Helmut Harsch treibt die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Angebote voran. Die Beratungsangebote werden professionalisiert, die ehrenamtliche Beratung aufgegeben. Einmalig in Bayern ist, dass Beratungsdienste als Teil der seelsorgerlichen Funktion der Gemeinde verstanden werden.

Rat und Hilfe für 20 Pfennig

Um ein niederschwelliges Angebot für Menschen in akuten Krisen zu bieten, wird auf Anregung von Pfarrer Dr. Harsch 1968 die Telefonseelsorge gegründet. Die Vernetzung von Seelsorge und psychologischer Beratung ist auch hier das bestimmende Prinzip. Die Telefonseelsorge arbeitet schon anfangs in Schichten, um rund um die Uhr erreichbar zu sein. Im ersten Jahr zählt sie bereits 57 Mitarbeitende, es werden 2815 Anrufe registriert. „Für 20 Pfennig kann jeder Tag und Nacht einen Menschen finden, der ihm zuhört, ihm einen Rat gibt oder ihn an einen erfahrenen Fachmann weitervermittelt”, so Heinrich Schmidt, erster Leiter der Telefonseelsorge.

Pastoralpsychologie – Vorbild USA

Die Gemeindemitglieder bekommen im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Telefonseelsorge eine psychologische Ausbildung. Viele Pfarrer erkennen die Notwendigkeit dieser Zusatzqualifikation auch für den Pfarrberuf. Diesem Bedarf kommt ein erstes Seminar im Jahr 1966 nach. Zunächst geht es darum, Fachwissen für die Seelsorgertätigkeit zu vermitteln. Die Person des Seelsorgers rückt jedoch mehr und mehr ins Zentrum. Themen der ersten Fortbildungen sind die Überforderung im Pfarrberuf oder die psychologische Interpretation biblischer Texte. Durch Anregungen vom Clinical Pastoral Training (CPT) aus den USA findet 1969 der erste pastoralpsychologische Fortbildungskurs statt. Die Pastoralpsychologie wird schließlich als eigenständige Abteilung innerhalb des EEEFB im Jahr 1971 eingerichtet.

Der Paragraph 218 Strafgesetzbuch

Die Sexual- und Schwangerschaftsberatung wird 1974 gegründet, nachdem der Bundestag die sogenannte Indikationsregelung beschlossen hatte, die u.a. eine verpflichtende Beratung in einer Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstelle vorsah. Zunächst als Bundesmodellberatungsstelle konzipiert, erhält die Beratungsstelle 1976 die Staatliche Anerkennung. Im Zuge der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten kam es dann zu jahrelangen politischen, juristischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um eine einheitliche Regelung. Seit 1996 beraten die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen der Staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen nun nach der sogenannten Fristenregelung bei vorgeschriebener Beratung. Neben der Schwangerschaftskonfliktberatung erfüllt heute die SSB noch zahlreiche weitere Aufgaben in der psychosozialen Beratung rund um Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt und Elternzeit sowie in der Prävention. Im Laufe der Jahre ist sie ist zu einer der größten evangelischen Schwangerschaftsberatungsstellen in Bayern angewachsen.

50 Jahre evangelische Beratung

Das ebz erhält seinen heutigen Namen im Jahr 1978. Die EEEFB wird mit den beiden Außenstellen in Neuperlach (Ökumenische Ehe-, Familien-, Lebensberatung und Erziehungsberatung) und Pasing (Ehe-, Familien- und Lebensberatung) in den gemeinsamen Verein „Evangelisches Beratungszentrum München e.V.” zusammengeführt.
1982 erfolgt der Umzug des ebz in die Landwehrstraße 15. Dieses Haus wird damals eigens für die Bedürfnisse des evangelischen Beratungszentrums gebaut. 2003 gibt sich das ebz eine neue Trägerstruktur. Seitdem gibt es einen hauptberuflichen Vorstand sowie einen ehrenamtlichen Aufsichtsrat. Das ebz lässt sich immer wieder durch neuere gesellschaftliche Entwicklungen herausfordern. Neue Angebote werden konzipiert, wie z. B. Mediation bei hochstrittigen Paaren oder die frühzeitige Förderung von Kindern.
Im Jahr 2008 feiert das evangelische Beratungszentrum sein 50-jähriges Bestehen.