Das Telefon als Brücke zum Menschen

Porträt der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Polly K.

„Wichtig ist, dass man erst mal da ist und zuhört.” Die warme und volle Stimme hat Polly K. (63) mit ihrer Kollegin Sophie gemeinsam. Viel telefoniert hat sie schon in ihrem früheren Beruf, als Mitarbeiterin in einem Reisebüro, wo sie täglich eine Vielzahl von Kunden per Telefon kontaktiert hat. Als ihre Firma vor vier Jahren plötzlich nach Köln zog, hat Polly ein schon lange geplantes Vorhaben in die Tat umgesetzt und die Ausbildung in der TelefonSeelsorge gemacht. Seitdem ist das Telefon nicht mehr wie früher ein Mittel zur schnellen Kundenakquise, sondern eine Verbindung zu Menschen, denen Pollys Stimme Hilfe und Trost bedeutet.

Frühmorgendliche Gespräche helfen in den Tag

„Die Anrufer sind oft mit so vielen Problemen behaftet, dass sie die Ursache nicht sehen.” Dann kommt es darauf an, eins nach dem anderen zu klären. „Nach dem Gespräch sagen viele, so schlimm ist es ja gar nicht. Sie versuchen dann, erste Schritte zu machen.” Auch bei Polly sind über die Jahre anonyme Beziehungen gewachsen, die ihr am Herzen liegen. So plaudert sie morgens immer mit einem jungen Mann, der täglich bei der TelefonSeelsorge anruft, weil er eine schlimme Nacht hatte. „Er fragt, ob wir eine Tasse Kaffee zusammen trinken können. Und dann versuchen wir gemeinsam, ihn auf den Weg zu bringen.”

Wenn die Stimme nicht mehr traurig klingt, ist es nicht umsonst

Oft nimmt Polly Anteil am Leben von Menschen, die von Mobbing und Arbeitslosigkeit betroffen sind oder Angst davor haben. Auch sie liest aus den vielfältigen Geschichten die Einsamkeit heraus. Dass die Gespräche ihr einmal zu nahe kommen könnten, befürchtet sie nicht. „Die hauptamtlichen Mitarbeiter können einen immer auffangen, wenn man sich von einem Gespräch belastet fühlt. Auch der Austausch innerhalb von Supervisionsgruppen hilft uns weiter.” Was bekommt man zurück von der Arbeit bei der TelefonSeelsorge? Polly überlegt kurz und sagt: „Wenn ich mit jemandem rede, dem es schlecht geht, und sich seine Stimme langsam ändert und nicht mehr so traurig klingt, dann gibt mir das unheimlich viel. Ich denke dann: Ja, du sitzt da, und es ist nicht umsonst.”

Ein Porträt von Susanne Hollmayer