Seit 34 Jahren Dienst am Menschen

Porträt der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Sophie M.

„Seit 34 Jahren habe ich dem Verein die Treue gehalten”, sagt Sophie M. (55), wenn man sie fragt, wie lange sie schon bei der Evangelischen TelefonSeelsorge arbeitet. „Ich habe die Ausbildung hier sehr spannend gefunden und festgestellt, dass diese Art, Seelsorge zu machen, mir sehr entspricht.” Sophie, eines der Urgesteine im Team der ehrenamtlich Mitarbeitenden, spricht bedächtig und konzentriert, mit einer tiefen, samtenen Stimme, der man gerne zuhört. Wenn sie nicht in einem der Beratungszimmer der TelefonSeelsorge sitzt, kümmert sie sich zu Hause um Haushalt und Familie. „Die Ausbildung war wie ein Erweckungserlebnis für mich. Ich habe sie in jungen Jahren gemacht und bin bis heute dankbar, dass ich damals diese Chance bekommen habe.”

Die einsamen Menschen rufen am häufigsten an

Sophie verbringt auch mal mehr Zeit am Telefon als die obligatorischen zwei Schichten pro Monat. Viele verschiedene Anliegen tragen ihr die Menschen am anderen Ende der Leitung vor. Doch geübt im Führen von Gesprächen und sensibel für versteckte Botschaften, erkennt Sophie den wahren Grund für die meisten Anrufe. „Die einsamen Menschen sind diejenigen, die am häufigsten unsere Nummer wählen. Sie nennen uns zwar andere Probleme wie undichte Fenster oder nicht genug Geld für die Miete, aber unten drunter schwimmt nach meinem Dafürhalten immer die Einsamkeit.”

Telefonseelsorge als Lebensaufgabe

Wenn Menschen regelmäßig zum Hörer greifen, dann können sich regelrechte Telefonfreundschaften entwickeln. Sophie erzählt von einer Frau, die jeden Tag um die gleiche Uhrzeit anruft. Diese Anruferin tritt nicht unbedingt mit schweren Problemen an die TelefonSeelsorge heran, vielmehr unterhalten sich die beiden über den vergangenen Tag. „Das ist für mich ein freundschaftlicher Anruf. Wenn sie sich mal in der Schicht, in der ich arbeite, nicht meldet, dann vermisse ich sie.” 34 Jahre TelefonSeelsorge und damit Arbeit am Menschen – gibt es da nicht Momente, in denen man den Dienst quittieren möchte? Sophie antwortet bestimmt und mit einem Lächeln: „Nein. Ich habe nur einmal ein Jahr lang Kinderpause gemacht.”

Ein Porträt von Susanne Hollmayer