„Der Auslöser für Mobbing bist nie du“

Der Mobbing-Experte Frank Schallenberg gibt euch Tipps für den Fall, dass ihr von Mobbing betroffen seid.

 

Viele Gemobbte verkriechen sich in ihrer Freizeit zuhause und trauen sich nichts mehr zu. Besser: Geh raus und such dir ein neues Hobby.

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Ich komme mit den anderen Leuten in meiner Klasse nicht klar. Woher weiß ich, ob das schon Mobbing ist?

Wenn sich eine Sache nach ein paar Tagen wieder erledigt, ist das noch kein Mobbing. Bei Mobbing begegnen mir Stress, Angriffe und Belastungen jedes Mal, wenn ich mit den anderen in der Klasse zusammentreffe, also tagtäglich und über einen längeren Zeitraum hinweg. Entscheidend ist die Frage: Verletzt mich das, was da passiert? Spüre ich, dass das nicht mehr in Ordnung ist und dass ich mich nicht mehr so behandeln lassen will?

 

Warum werde ich gemobbt? Bin ich selbst daran Schuld?

Zieh dir diesen Schuh nicht an, dass du als Gemobbter dafür verantwortlich bist, dass jemand anderer so mit dir umgeht. Der Täter kann sich sein Opfer beliebig aussuchen. Er oder sie sagt dann: „Du bist zu groß, zu klein, zu dick, du siehst komisch aus oder du verhältst dich seltsam und deshalb mobbe ich dich jetzt“. Ein angebliches Anderssein wird zum Anlass für Mobbing genommen. Aber die Frage ist doch: Was heißt Anderssein überhaupt und wer definiert, wer ‚anders‘ ist? Du als Gemobbte oder Gemobbter bist nicht dafür verantwortlich, dass es gerade dich trifft. Der Auslöser für Mobbing bist nie du und wenn es dich nicht trifft, trifft es jemand anderen. Das solltest du dir immer wieder bewusst machen.

MobbingWieso werden manche Jugendliche zu Mobbern?

Manchmal geht es um den Spaßfaktor, die finden das lustig. Aber sehr häufig haben sie selbst Mobbing-Erfahrungen gemacht, fühlen sich in der Klasse nicht genug gewürdigt oder sind aus verschiedenen Gründen  eifersüchtig auf ihr Mobbing-Opfer. Manchmal leben diese Jugendlichen auch nach, was sie in ihrem eigenen familiären Umfeld erleben. Sie haben gesehen, dass Eltern, Freunde oder Bekannte auch so mit anderen Menschen umgehen und verfallen in dieselben Verhaltensweisen.

Was kann ich tun, wenn ich gemobbt werde?

Der erste Tipp ist, dir nichts unwidersprochen gefallen zu lassen. Erwidere etwas! Das ist nicht immer einfach und dadurch hört das Mobbing natürlich auch nicht automatisch auf. Aber wir wissen, dass Gemobbte umso mehr leiden, wenn sie einfach nur alles über sich ergehen lassen. Sag dem anderen klar und deutlich: „Ich will das nicht! Ich will nicht, dass du so mit mir umgehst.“ So beweist du dir, dass du dich selbst wertschätzt.

Dann ist es wichtig, in der Klasse, Freundesgruppe oder Clique Unterstützung anzufordern. Fordere andere Leute aus der Klasse auf, dir zu helfen. Aber sag nicht „Ich brauch mal jemanden, der mir hilft.“, sondern nenne ganz konkret den Namen einer Person und sag „Daniel, hilf mir bitte mal.“ Die Erfahrung zeigt, dass Mitschüler, die direkt angesprochen werden, dann auch wirklich was tun.

Im dritten Schritt kannst du dich an Erwachsene wenden. Das tust du nicht, weil du ein Problem hast, sondern weil dir jemand in deiner Klasse ein Problem bereitet. Das ist ein ganz großer Unterschied. Entwickle ein Bewusstsein dafür, dass du in einer Krisensituation bist und unfair behandelt wirst. Nicht du hast das Problem.

 

Foto: @Johanna Wild

Ist es nicht manchmal einfacher, die Schule zu wechseln?

Das sollte immer nur das allerletzte Mittel sein. Ein Schulwechsel kann dazu führen, dass du als Gemobbte oder Gemobbter das Gefühl bekommst, dass die Sache nicht geklärt wurde. Der Mobber hat ja nicht aufgehört zu mobben, sondern du bist aus der Situation geflohen. So erfährst du nicht, warum das passiert ist und wie es sich anfühlt, wenn das Mobbing wieder aufhört.

 

Ein Freund oder eine Freundin von mir wird gemobbt. Ich will ihm/ihr helfen, aber ich habe Angst, dass ich dann auch gemobbt werde.

Es ist unglaublich wichtig, dass du eingreifst. Mobbing läuft in vielen Fällen nur deshalb über einen langen Zeitraum, weil der Großteil der Klasse oder Gruppe einfach nur zuschaut. Wenn du dich nicht traust, alleine etwas dagegen zu unternehmen, kannst du dir in der Gruppe ja einen Verbündeten suchen. Du kannst zu einer Person hingehen und sagen: „Ich will da jetzt eingreifen, bitte hilf mir.“ Die meisten fühlen sich dann verpflichtet, dir zu helfen. Sich einzumischen ist sehr wichtig, um die Logik des Täters und seinen Eindruck zu durchbrechen, dass er das Opfer angreifen kann, wann und wo er will.

Ich werde gerade gemobbt und habe manchmal das Gefühl, dass ich da nie mehr rauskomme. Werde ich irgendwann wieder ein glückliches Leben führen?

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Wir haben das statistisch nie ausgewertet, aber vermutlich können 80 bis 90 Prozent der Betroffenen nach der Bearbeitung der Mobbing-Situation relativ schnell wieder einen normalen Alltag führen. Dasselbe gilt für die ganze Klasse oder Gruppe. Wenn du gerade in einer Mobbing-Situation bist, solltest du alles dafür tun, um in deinem Leben an anderer Stelle positive Erfahrungen zu machen. Gut ist, wenn du deinen Mut zusammennimmst, rausgehst und dir sagst: „Ich habe jetzt diese schmerzhafte Situation erlebt, das hat mir sehr wehgetan, aber davon lass ich mich nicht unterkriegen.“

 

 

Wenn du gemobbt wirst und Unterstützung brauchst, ist unser ebz-Team gerne für dich da. Hier findest du deinen Ansprechpartner.